Märchenhaftes Terroir

2019-02-04T16:16:54+00:004. Februar 2019|Wein|

Schloss Frankenberg: Wein von historischer Erde

Große Weine brauchen eine Heimat – das Terroir. Bei Schloß Frankenberg sind es die historischen Weinberge Louisenberg, Wolfsgrube und Hölle. Die alten Lagen geben den Weinen neuen Glanz.

Terroir – das Wort stammt aus dem Französischen, eine Ableitung von dem lateinischen terra, also Erde. Kein Begriff wird in der Weinwelt so kontrovers diskutiert wie das „Terroir“. Nach Ansicht des bekannten französischen Winzers Bruno Prats, ehemaliger Besitzer des berühmten Château Cos d´Estournel im Médoc (Bordeaux), ist das Terroir „das Zusammentreffen von Klima, Boden und Landschaft, das Zusammenwirken einer unendlichen Anzahl von Faktoren: Nacht- und Tages-Temperaturen, Niederschlags-Verteilung, Sonnenscheinstunden, Hangneigung und Boden-Durchlässigkeit, nur um einige wenige zu nennen.“

Der Mensch kann Terroir beeinflussen – und zerstören

Der Mensch spielt bei dieser Definition keine Rolle. Und doch kann er mit Kulturmaßnahmen wie zum Beispiel Arbeiten am Gelände, Pflanzdichte oder das Umschließen eines Weinbergs mit einer Mauer Elemente des Terroirs beeinflussen. Menschen können also Terroir schaffen und – umgekehrt – auch Terroir zerstören.

Das heißt: Er ist Teil des Terroirs. Daraus folgt: Die Begegnung des Menschen mit dem Gelände im Weinberg, mit der Bodenbeschaffenheit, dem Mikroklima und den Reben ist durchaus schmeckbar. Alle diese Einflüsse des Terroirs wirken sich auf Beschaffenheit und vor allem die Qualität des Weins aus.

So sollte es sein – und so ist es auch auf Schloß Frankenberg. Zwar waren die historisch gewachsenen Lagen Louisenberg, Wolfsgrube und Hölle aufgrund der mangelnden Bewirtschaftung in der Vergangenheit etwas in Vergessenheit geraten. Gleichwohl wäre das neue Qualitätsbestreben auf Schloß Frankenberg ohne sie nicht machbar.

Von zwei auf 14 Hektar in 250 Jahren

Vor fünf Jahrhunderten verzeichneten alte Chroniken den Weinbau der Frankenberger Schlossbesetzer von Hutten. 1530 bewirtschaftete das Geschlecht der fränkischen Reichsritter eine Rebfläche von 5,5 Morgen.

Diese Maßeinheit war regional höchst unterschiedlich, ursprünglich sollte damit eine Fläche bestimmt werden, die von einem einscharigen Ochsenpflug an einem Vormittag gepflügt werden konnte. In Bayern und Franken, wo man die Fläche in aller Regel nach Tagwerk bemaß, hätte ein Morgen zwischen 3.407 und 3.600 Quadratmeter entsprochen. Also betrieben die von Huttens Weinbau auf einer Fläche von rund 2 Hektar (ha). Das reichte immerhin für den Eigenbedarf der Schlossbesitzer.

1623 waren es bereits 20 Morgen Rebland (ca. 7 ha), die Zahl für 1642 verheißt dagegen nichts Gutes, nämlich keinen Eintrag für die Rebfläche. Zu dieser Zeit wütete auch in Franken der Dreißigjährige Krieg, der ganze Städte, Dörfer und Landwirtschaften zerstörte. Doch schon 1723 stieg der Frankenberg Weinbesitz auf 21 Morgen (ca. 7,5 ha) an und 1783 waren es 41 Morgen (ca. 14 ha). Eine enorme Fläche, gemessen an den Bearbeitungsmöglichkeiten.

Im 18. Jahrhundert bemühte man sich auch um die qualitative Verbesserung des Weinbaus von Schloß Frankenberg. Für das Jahr 1724 vermeldet die Chronik das Ernten von Rotweintrauben. 1736 wurden „Muskateller-, Rießling-, Champagnier- und Burgunder-Fechser“ (Stecklinge) gepflanzt. 1738 hatte der kurmainzische „Wengertsmann“ (Weinbergsmann) Reuter aus Weisenau 16.000 „Rheinische Fechser“ gesetzt.

Rodung für den Ackerbau im 18. Jahrhundert

1790 – damals war Schloss Frankenberg bereits in Besitz der Freiherren von Pöllnitz – wurde Klee in die Weinberge gesät. Und 1824 rodete man die Rebflächen bis auf einen „Weinberg am Wallberg“. Trotz der guten wirtschaftlichen Lage des Weinbaus um 1800 gab man auf Schloß Frankenberg dem Ackerbau den Vorzug, der offenbar gerade eine Steigerung der Erträge erlebte. Von der Umwandlung der Weinberge in Ackerbau versprach man sich höhere Einnahmen.

Die Hektarerträge des Frankenberger Weinbaus lagen in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts bei nur neun bis zehn Hektoliter pro Hektar. So kam es, dass man sich angesichts der wesentlich arbeitsintensiveren und damit kostenträchtigeren Bewirtschaftung der Rebflächen auf Schloß Frankenberg entschloss, den Weinbau zugunsten des Ackerbaus einzuschränken. Der neue Schlossbesitzer geht den genau umgekehrten Weg. Er will die Schlossweine von Frankenberg wieder zu jener Qualität führen, die ihre Namen vor Jahrhunderten versprochen haben.

Die neuen Weine profitieren vom alten Boden

Die historische Lage Louisenberg wird dem Begriff des Terroirs am besten gerecht. Durch den Bodenanteil von Keuper, einer geologischen Formation des Steigerwalds, die unter anderem wasserspeichernd wirkt und in heißen Weinjahren die Reben vor größeren Trockenschäden bewahrt, werden auch die Schlossgut-Weine des Jahrgang 2018 geprägt. Der Riesling vom Louisenberg ist durch die Keuperböden mineralischer und spannender, ein reizvoller Kontrast zu seiner feinen Frucht. In diesem Wein schmeckt man die historische Erde von Schloß Frankenberg.

Diese Website benutzt Cookies und Tools von Drittanbietern. Wenn Sie diese Website weiter nutzen, gehen wir von Ihrem Einverständnis aus. Mehr Informationen finden Sie in der Datenschutzerklärung! Ok, verstanden!