GESCHICHTE HAUTNAH ERLEBEN

Historie

Schloss Frankenberg

Die Ritter derer von Hutten auf Schloss Frankenberg

Mut, Freiheit, Kraft. Schloss Frankenberg.

Fast 800 Jahre Standhaftigkeit, eine Feste, nie eingenommen, in einer Landschaft voller Geschichte und Geschichten. Das Schloss, die Vorburg, das Amtshaus, die Meierei und ein Gebiet von 130 Hektar aus Wäldern, Äckern, Obstgärten und Weinhügeln. Seit 1254 hat Schloss Frankenberg die Region rund um die Gemeinde Weigenheim im südlichen Steigerwald beherrscht, beschützt und geprägt. Hier, auf den 498 Metern Höhe des Herrschaftsberges, residierten Generationen von fränkischen Rittergeschlechtern. Zu ihren Tugenden gehörten Treue, Gehorsam, Schutz der Schwachen, Respekt vor den Frauen, Freigebigkeit und Mut.

Mut! Den brauchten Sie auch, denn um das Anwesen herum tobten die Glaubenskriege des 16. und 17. Jahrhundert. Immer noch verläuft die Grenze, welche protestantisches von katholischem Gebiet trennt, mitten durch die Ländereien Frankenbergs. Es war das Geschlecht derer von Hutten, das zur Zeit der Reformationskriege auf Frankenberg lebte. Spätestens mit Ulrich von Hutten dem berühmtesten Mitglied der Adelsfamilie waren der Geist der Reformation und die humanistischen Ideale der Renaissance in Schloss eingezogen. Ulrich war zunächst Dichter, Denker, Verleger und erster Reichsritter. Später jedoch machte er sich als passionierter Reformer, Freund und Verbündeter Martin Luthers einen Namen. Mag sein, dass ihm hier oben auf dem Südwall jener Satz eingefallen ist, der noch heute das Wappen der Stanford University prägt: „Die Luft der Freiheit weht!

Freiheit! Ulrich von Hutten hatte sich gegen Papst und Kaiser gestellt und trug somit maßgeblich zur Glaubensspaltung bei. Die von Huttens wurden deshalb in der Gegenreformation wegen Hochverrats enteignet, Schloss Frankenberg verwüstet. Es brauchte mehr als ein halbes Jahrhundert, um sich von den wirtschaftlichen strukturellen Rückschlägen zu erholen. Es war im 17. Jahrhundert unter anderem der Weinbau, der Schloss Frankenberg zu alter Größe und Grandezza verhalf. Man spezialisierte sich zunehmend auf hochwertige Rebsorten und setzte auf eine Steigerung der Güte. So wurden 1736 und 1748 neben Rotwein auch Muskateller, Riesling und Burgunder gepflanzt. Hierfür wurden die noch heute erhaltenen Rebflächen des Louisenbergs, der Wolfsgrube, sowie des Wallbergs genutzt. Weine von Schloss Frankenberg wurden bald bis nach Hamburg geliefert. Das Anwesen strahlte wieder Herrschaft, Schutz und Kraft aus.

Kraft! Bis 1783 besaßen die Herrscher über Frankenberg die hohe Gerichtsbarkeit. Die gut erhaltenen Kellergewölbe mit Zellentrakt, die Folterinstrumente in der Folterkammer zeugen

noch heute davon. In der Hochgerichtsbarkeit wurden die „vier hohen Rügen“ verhandelt: Mord, Raub, Brandstiftung und Notzucht. Aber die Schöffen und Grafen urteilten auch über schwere Diebstähle, Schlägereien, Wilderei und vor allem die häufigen Unzuchtsdelikte. Auf Schloss Frankenberg wurde gerichtet, das Leben der Region damit geordnet und geregelt. Allein: Die Zukunft des Schlosses selbst war nicht geregelt. Mit dem Tod Johann Phillip Friedrich von Huttens, der keine Nachkommen hatte, ging der Besitz des Ritterguts Frankenberg nach langwierigen Erbstreitigkeiten in den Besitz der Familie von Poellnitz, die den Besitz einer solch großen Schlossanlage allerdings überforderte und als Belastung empfand. Es begann ein schleichender Prozess des Verfalls, bis in dieses Jahrhundert andauern sollte.

Mut? Freiheit? Kraft? Vergangenheit! Schloss Frankenberg hatte seine Wahrzeichen-Funktion, seine Verwurzlung in der Region verloren. Wenn die Menschen nach oben blickten, dann nicht mehr mit Ehrfurcht, sondern nurmehr mit Sorge: „Was passiert denn nun mit unserem Schloss?“. Nicht nur seine starken Mauern, auch Schloss Frankenbergs kulturelles und historisches Erbe waren fast zerfallen. 2014 konnte das European Heritage Project das Schloss Frankenberg und seine angrenzenden Ländereien erwerben. Jetzt wurde dieses Erbe europäischer Geschichte und Kultur, in jahrelanger Arbeit aufwändig und liebevoll restauriert, der Region zurückgegeben.

Mythen, Sagen, Legenden

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts mehrten sich die Legenden rund um das Frankenberger Anwesen. Die Verbreitung dieser Sagen zeugt von lokaler wie regionaler Verwurzelung. Zudem unterstreichen die Geschichten den besonderen Zauber dieses Ortes, in dem die Zeit auf wundersame Weise stehengeblieben scheint, und der das Schloss zu einer Art Mythos erhebt. Viele spielen in den dunklen, mystischen Wäldern rund um den Frankenberg, in denen bärtige Gestalten wie der schwarze Jobst als Räuber ihr Unwesen trieben. Der Steigerwald, so wird deutlich, muss seinerzeit ein Ort gewesen sein, der den Menschen Nahrung gab, ihnen aber auch Angst machte. Das Schloss, hoch oben auf dem Frankenberg, versprach den Menschen deshalb Schutz und Sicherheit.

Juliane, das Kind aus der Glückswurze

So heißt es, dass einst eine kinderlose Bäuerin auf dem Gründleinshof, Mutter Hadwig genannt, von einer Wasserjungfrau eine wundersame Glückswurzel, eine Alraune, erhalten haben soll. Aus jener Alraune erwuchs ein Mädchen, welches die Gründleinshöferin Juliana nannte. Doch die ebenfalls kinderlose Herrin des Frankenbergs beanspruchte das Kind für sich. Als die Jungfrau Juliana mit einem Ritter vermählt werden sollte, flehte die alte Bäuerin, wenigstens die Hochzeit ihres Kindes mitansehen zu dürfen. Erzürnt über das brüske Verhalten der alten Frau erschlug sie der Ritter. Als Buße für sein Vergehen wurde er dazu verdammt, nach Jerusalem zu ziehen. Doch von dieser Sühnefahrt kehrte der Ritter nie zurück. Und so beschloss die trauergeplagte Juliana an ihren Geburtsort zurückzuziehen – in den ihr vermachten Bauernhof am Fuße des Herrschaftsberges, den Gründleinshof.

Die düstere Mär der drei Eiche

Nicht weit davon, im Südosten der heutigen Meierei, gedenkt ein Kreuz bei drei Eichen am Schäfersee jenen drei Hirten oder Schäfern, die genau hier von einem Unwetter überrascht und von einem Blitz erschlagen worden sein sollen. Dort bei den drei Eichen, sollen auch die Gebeine dreier Kinder der Familie von Seckendorff liegen, die Burg Vorderfrankenberg von 1390 bis 1423 verwaltete. Die Kinder waren, so die düstere Mär, von einem Rudel Wölfe im angrenzenden Wald überfallen und zerrissen worden.

Die Schönelse und ihr Elfentanz

Im dunklen Wald, auf dem Hauptweg von Schloss Frankenberg zum Hohenlandsberg, steht noch ein Hinweisschild zum „Elfenstuhl“. Hier soll im Mittelalter die Schönelse, die jungfräuliche Tochter eines Arztes aus Ippesheim, regelmäßig ihr goldenes Haar gekämmt und dabei gesungen haben. Der Sage nach soll sie gar mit den Elfen der Elfenkönigin getanzt haben. Ihre Lieder und ihre Anmut, so die Legende, hätten die Männer angelockt und verwunschen. Daraufhin hätten sich diese im Wald verirrt und seien so in den Wahnsinn getrieben worden. Zu viel der Magie für das Mittelalter. Wegen Ihres Wissens um heilsame Kräuter wurde die Schönelse der Hexerei bezichtigt. Sie wurde vor der Hohen Gerichtsbarkeit auf dem Frankenberg angeklagt und zum Tode durch den Strang am Galgen verurteilt. Sie sollte auf dem Marktplatz von Ippesheim sterben, wo alle Urteile vollstreckt wurden, die auf Schloss Frankenberg gefällt wurden. Aber der Graf von Castel, so die Sage, rettete Schönelse im letzten Augenblick mit einem riskanten Manöver mit seinem Pferd vor dem Galgen.

Kunigundes Rettung aus Wäldern um Frankenberg

Die Bedeutung als geschichtsträchtige Region unterstreicht auch die Legende der Kunigundenkapelle bei Bullenheim. Sie ist nach Kunigunde von Luxemburg benannt, die später als Gemahlin von Kaiser Heinrich II den Dom und das Bistum von Bamberg mitbegründete – in dem sie ihr Witwengut dafür zur Verfügung stellte. Nach der Legende wollte die in Franken als Heilige verehrte Kaiserin von Bamberg nach Würzburg reisen. In den dunklen Wäldern um den Frankenberg kam sie mir ihrem Gefolge vom Weg ab und verirrte sich in der Nacht. Voller Furcht gelobte sie, dort eine Kapelle errichten zu lassen, wo Gott das erste Anzeichen einer Siedlung zeigte. Gleich darauf erschien ein Licht, und die Kaiserin hörte die Glocke von Bullenheim. Getreu ihrem Gelübde ließ sie auf dem Bergvorsprung jene Kapelle als Zeichen der Errettung errichten, die heute selbst als Ruine

noch eine besondere Aura ausstrahlt und einen grandiosen Ausblick auf das Steigerwald-Vorland bietet.

Die Luisensäule auf dem Luisenberg zeugt von der preußischen Herrschaft auf Schloss Frankenberg von 1792 bis 1806. Oder auch nicht, so ist das eben bei Legenden: Ludwig Karl Freiherr von Pöllnitz Schlossherr im 18. Jahrhundert, sei schon Kammerherr und Mitglied des Tabakskollegiums des preußischen Königs Friedrich Wilhelm I. gewesen. Später habe er Königin Luise, Gemahlin des Nach-, Nach-, Nachfolgers Friedrich Wilhelm III. auf Schloss Frankenberg eingeladen. Königin Luise, jene Frau, die später bei Napoleon um Gnade für ihr geschlagenes Preußen betteln musste, sei dort auf dem Frankenberg gewandert und habe ihren Handschuh verloren. Wo dieser wiedergefunden worden sei, stehe nun die Luisensäule, so die Legende. Die nur – vermutlich – falsch ist. Preußens Königin Luise, so weiß man heute, war wohl nie auf Schloss Frankenberg. Aber das Schlossweingut hatte einen wunderbaren Namen für seine beste Lage: den Louisenberg

Ein Grab im Geiste Jean Jacques Rousseaus

Und noch ein zweites Mal wehen die Geister der französischen Revolution um den Frankenberg. Unweit von Schloss und Schlossfriedhof in der Nähe des Gipfelplateaus liegt der Scheinberg, der mit seinen 499 Metern die höchste Erhebung im Steigerwald darstellt. Hier oben ruht der zweite Schlossbesitzers aus dem Hause Pöllnitz, Karl Ludwig, Freiherr von Pöllnitz (auf Frankenberg von 1801 bis 1826) war den naturverbundenen und sozialreformerischen Ideen Jean-Jacques Rousseaus zugetan. Er hatte eine Schwäche für Landschaftsarchitektur, erschuf dort eine parkartige, idyllische Landschaft nach dem Vorbild englischer Gärten mit Schaukeln und anderen Spielereien im anliegenden Wald. Inmitten dieser Idylle fand er später ewige Ruhe: Grab und Grabstein liegen auf einer Insel inmitten des Scheinbergsees.

Erste amtliche Erwähnung „Castrum Frankenberg“.

1225

Burggraf Konrad I. von Nürnberg aus dem Hause Hohenzollern errichtet die Burg Vorderfrankenberg.

1254

Die Herren von Hutten erwerben die Burg und bauen Schloss Frankenberg.

1520

Rittergut Frankenberg geht in den Besitz der Herren von Poellnitz über.

1783

Die Herren von Lerchenfeld, die im traditionellen bayerischen Uradel anzusiedeln sind, werden zu den neuen Schlosseigentümern.

1971

Roland Beltz erwirbt das Schloss und hat ehrgeizige Pläne. Nur vier Jahre nach dem Kauf verstirbt er

2008

Prof. Dr. Dr. Peter Löw erwirbt Schloss Frankenberg im Rahmen des European Heritage Projects.

2014

Hotel Schloss Frankenberg wird eröffnet und Restaurant Le Frankenberg erhält den Michelin Stern.

2024

Heritage

European Heritage Project

Prof. Dr. Dr. Peter Löw, Jurist und Historiker, ist ein erfolgreicher Geschäftsmann. Er hat als Unternehmer mehr als 200 kriselnde Unternehmen übernommen, wiederaufgebaut und damit viele Arbeitsplätze gerettet. Aber als Honorarprofessor für Wirtschaftsethik weiß er auch, dass Erfolg in der Wirtschaft zwar wichtig, aber nicht alles ist. In bester Tradition anglo-amerikanischen Mäzenatentums hat er deshalb das European Heritage Project gegründet. Eine private Initiative, die historisch einzigartige Liegenschaften identifizieren, erwerben und als identitätsstiftendes Wahrzeichen erhalten will. Der großzügige Mäzen Prof. Dr. Dr. Löw möchte den Menschen wieder Zugang zu den „Leuchttürmen“ ihrer Vorfahren gewähren.